Landkreis Neumarkt

Geschichte

Die ersten Spuren der Menschen, die wir in unserer Heimat finden, reichen bis in die Steinzeit zurück.

Kunde von der Mittleren- und Jungsteinzeit (ca. 7.000 bis 1.800 v. Chr.) geben uns zunehmend Funde von Gerätschaften aus Stein und Knochen sowie Töpfereierzeugnisse.

An die nachfolgenden Bronze- und beginnende Eisenzeit erinnern entsprechende Metallgegenstände des unser Gebiet besiedelnden Volksstammes der Kelten.

Eine Vielzahl relevanter archäologischer Geländedenkmäler, z.B. Hügelgräber und Viereckschanzen, sind vielerorts im Landkreis noch anzutreffen.

Eine Fundgrube vorgeschichtlicher Beweisstücke eröffnete sich beim Bau des Ludwig-Donau-Main-Kanals (1836–1846), in jüngster Zeit bei den umfangreichen Erdarbeiten des 1992 fertig gestellten Donau-Main-Kanals. Ab 500 wird das Gebiet nördlich der Donau an Regen, Naab und Altmühl bayerisches Siedlungsland, nachfolgend als Nordgau bezeichnet. Im Bereich des heutigen Landkreises Neumarkt i. d. OPf. kreuzen sich Verkehrs- und Handelswege von der Donau ins Fränkische und von der Altmühl nach Osten über Lauterhofen.

An Bedeutung gewinnt dabei der „Neue Markt“ ab dem 12. Jahrhundert v. Chr. als historischer, wirtschaftlicher und kulturelle Mittelpunkt, weshalb vornehmlich die Geschichte der Stadt Neumarkt, gleichsam stellvertretend für den gesamten Landkreis, mit ihren wesentlichen Entwicklungsdaten vorgestellt wird:

1160 Neumarkt wird erstmals in einer Urkunde des Klosters Reichenbach erwähnt, wurde aber schon in der Regierungszeit König Lothars von Supplinburg (1125–1137) gegründet.
1235 Auf Betreiben der Bürger geht Neumarkt an das Reich über, wobei der Staufer-Kaiser Friedrich II. dem „Neuen Markt“ Zollfreiheit und weitere reichstädtische Privilegien gewährt.
1260 Als äußeres Zeichen der Unabhängigkeit der Bürgerschaft von den Wolfsteinern führt Neumarkt zum ersten Male den Reichsadler demonstrativ im Siegel.
1268 Nach der Hinrichtung des letzten Staufers Konradin in Neapel fällt dessen Erbe im Nordgau, der späteren Oberen Pfalz, an die Wittelsbacher.
1314 Mit der Wahl des Wittelsbachers Ludwig von Bayern zum Kaiser (1314–1347) erhoffen sich die Neumarkter den Status als Reichsstadt bestätigt zu bekommen.
1319 Ludwig gewährt Neumarkt die Stadtrechte, betrachtet aber, wie schon Kaiser Friedrich II., die Stadt nicht als Reichsgut, sondern als ererbtes Hausgut.
1329 Im Hausvertrag von Pavia kommt es zu einer Teilung der Wittelsbacher Gebiete: Das Herzogtum Oberbayern behält Kaiser Ludwig, seine Besitzungen im Nordgau und die Kurpfalz mit Heidelberg überträgt er den Söhnen seines Bruders Rudolf. Der Wunschtraum Neumarkts, als Reichsstadt formell anerkannt zu werden, ist damit endgültig vorbei.
Im Gegensatz zur nieder gelegenen Pfalz am Rhein bezeichnet man die pfälzischen Gebiete in Bayern als „Obere Pfalz“ (vormals Nordgau, nachfolgend Oberpfalz) mit der Hauptstadt Amberg, wo die Statthalter der pfälzischen Kurfürsten regieren.
1410 Der pfälzische Wittelsbacher Pfalzgraf Johann erhält die „Obere Pfalz“ und residiert in Neumarkt. Schloss, Hofkirche, St. Johannes und Rathaus, nach wie vor die dominierenden Bauten der Kreisstadt Neumarkt, entstehen während seiner Regierungszeit (1410–1443).
1443 Christoph von Bayern, Sohn von Pfalzgraf Johann und dessen Nachfolger, lässt sein Stammlehen durch die Statthalter Joachim von Parsberg und Martin von Wildenstein verwalten, da er zum König von Dänemark, Schweden und Norwegen gewählt worden war.
1513 Pfalzgraf Friedrich II. (1508–1544) wechselt von Amberg nach Neumarkt. Als 1520 das von Pfalzgraf Johann errichtete gotische Schloss einem Brand zum Opfer fällt, lässt Friedrich es im Stil der Renaissance wieder aufbauen.
1620 Nach der Niederlage des zum "Winterkönig" gewählten Friedrich V. von der Pfalz in der Schlacht am Weißen Berg bei Prag verliert er Kurwürde und Oberpfalz an Herzog Maximilian von Bayern.
1628 Nach 300 Jahren kommt das Gebiet um Neumarkt offiziell wieder zu Altbayern, wobei unverzüglich mit der Rekatholisierung der fast 100 Jahre hindurch evangelisch geführten Gemeinden begonnen wird. Architektonisch-konfessionelle Kennzeichen dieses Rekatholisierung sind die Marien-Wallfahrtskirchen in Trautmannshofen, Freystadt, auf dem Mariahilfberg und Habsberg.
Mit dem Verlust der Residenz der rheinpfälzischen Pfalzgrafen und der Rückgliederung in das Kurfürstentum Bayern sinkt Neumarkt zu einer gewöhnlichen Provinzstadt herab, die unter mehrfachen Kriegswirren zu leiden hat (Dreißigjähriger Krieg, Landshuter und Spanischer Erbfolgekrieg, Französische Revolutionskriege).
1806 Bayern wird Königreich unter Napoleons Gnaden, Neumarkt ein königlich-bayerische Stadt mit Sitz einer unteren Staatsbehörde (Landgericht ab 1802 bzw. Bezirksamt 1862, umbenannt in Landkreis Neumarkt mit Landratsamt 1938).
1846 Die Eröffnung des Ludwig-Donau-Main-Kanals und der Eisenbahnlinie Nürnberg-Regensburg (1871) schafft die Voraussetzungen für industrielle Betriebsgründungen in Stadt und Kreis Neumarkt.
1914–1945 Der verlorene Erste Weltkrieg (1914–18) schafft den Nährboden für die Irrlehre des Nationalsozialismus, der zur totalen Niederlage Deutschlands im Zweiten Weltkrieg (1939–45) führt.
Die Kreisstadt Neumarkt liegt im Altstadtbereich mit allen wesentlichen Versorgungseinrichtungen und öffentlichen Bauten mit über 90 % in Schutt und Asche.
1948 Ab der Währungsreform erlebt Neumarkt dank des aus heutiger Sicht unvorstellbaren Leistungswillen der gesamten Kreisbevölkerung einen Aufschwung, der die Blütezeit als Residenzstadt vor einem halben Jahrtausend weit übertrifft.
1972 Die Gebietsreform bewirkt für Stadt und Kreis Neumarkt weitreichende Veränderungen: Die Stadt Neumarkt verliert ihre Kreisunmittelbarkeit und wird in den Landkreis Neumarkt eingegliedert, der zudem durch Teile der früheren Kreise Parsberg, Riedenburg, Beilngries und Hilpoltstein eine Vergrößerung erfährt, den Markt Kastl jedoch an den neu entstandenen Landkreis Amberg-Sulzbach abgeben muss.
1995 Verwaltungszentrum des Landkreises Neumarkt i. d. OPf. ist das neue Landratsamt in den Nürnberger Straße, das 1960–62 erbaut, 1970–72 erweitert und 1992–95 nochmals vergrößert generalsaniert wurde. Als Vorläufer des Landratsamtes (Schultheißenamt, Bezirksamt und altes Landratsamt) dient ab spätem 17. Jahrhundert bis zum Umzug in die Nürnberger Straße 1962 das Pfalzgrafenschloss.
1996 Am Vorplatz des Landratsamtsgebäudes mahnt die „Schöpfungssäule“, eine monumentale Bronzeskulptur, alle Dienstleister und Besucher, die Würde jedes Menschen und der Schöpfung zu wahren.

 

Daten des Landkreises Neumarkt i. d. OPf.

Der Landkreis Neumarkt i. d .OPf. ist der am weitesten nach Westen vorgeschobene Landkreis der Oberpfalz. Im Westen grenzt der Landkreis an Mittelfranken, im Südwesten an Oberbayern und im Süden an Niederbayern. Der größte Teil des Landkreises zählt zum Naturraum der Fränkischen Alb und führt hier die Bezeichnung: Oberpfälzer Jura.

Die Nachbarlandkreise von Neumarkt i.d.OPf. sind im Nordwesten Nürnberger Land, im Südwesten Roth, im Süden Eichstätt und Kelheim, im Südosten Regensburg, im Osten Schwandorf und im Nordosten Amberg-Sulzbach. Die zentrale Lage des Landkreises im Herzen von Bayern zeigt ein Stein im Wald bei Breitenbrunn, der auf den hier befindlichen geographischen Mittelpunkt Bayerns hinweist.In seiner heutigen Form besteht der Landkreis seit der Kreisgebietsreform vom 01. Juli 1972. Er entstand aus dem Gebiet des alten Landkreises Neumarkt i. d. OPf. ohne den Bereich des Marktes Kastl, aus den größten Teilen der früheren Landkreise Hilpoltstein und Riedenburg sowie der vormals kreisfreien und heute Großen Kreisstadt Neumarkt i. d. OPf. Der Landkreis Neumarkt i. d. OPf. gilt heute als Entwicklungsregion zwischen Tradition und Zukunft. Ländliche und stadttypische, industrielle und naturnahe Strukturen stehen ebenso in Einklang, wie Pflege von Sitte und Brauchtum mit Fortschritt und Aufgeschlossenheit.

Die Bevölkerung des Landkreises Neumarkt i. d. OPf. ist in den letzten zehn Jahren auf mittlerweile fast 127.000 Einwohner angestiegen. Dieser nach wie vor anhaltende Trend unterstreicht die Attraktivität des Lebensraumes Neumarkt i. d. OPf.

Der Landkreis erstreckt sich über eine Fläche von 1.344 km² und macht damit nahezu zwei Prozent des Bayerischen Staatsgebietes aus. Bei der Bevölkerungsdichte liegt der Landkreis mit etwa 94 Einwohnern pro km² deutlich unter dem bayerischen Landesdurchschnitt von 173 Einwohnern/km². Er gehört damit zu den am dünnsten besiedelten Gebieten Bayerns.

  Städte und Märkte von Hans Braun (PDF, 3 MB)